Aus der Weinpraxis
In der gegenwärtigen Jahreszeit nehmen Behandlung und Ausbau der Rotweine einen breiten Stellenwert im Winzerleben ein. Auf immer wiederkehrende Fragen dazu finden Sie eine Antwort in dem als pdf Anlage beigefügten Artikel. Er wurde vom Volker Schneider, Schneider-Oenologie in Bingen, in der Januar-Ausgabe der DWZ (Die Winzer-Zeitschrift) veröffentlicht.
Große Rotweine, oft im Barrique ausgebaut, sind meinungsbildend. Dabei werden die einfacheren Rotweine in der Oenologie oft vernachlässigt. Im Artikel behandelt Volker Schneider den Ausbau und die sensorische Abstimmung von Rotweinen der fruchtigen Art.
Ausbau fruchtiger Rotweine 2012
Des Guten oft zu viel

Der Autor
Arno Becker
Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Rheinpfalz, Abteilung Weinbau und Oenologie, Neustadt a.d. Weinstr. (D)
Ertragsminderung ist ein wichtiger Baustein für die Erzeugung hochwertiger Weine. Vor dem Hintergrund wärmerer Sommer und früher Traubenreife jedoch gerät dabei speziell eine Methode in Kritik: die Ausdünnung ganzer Trauben. Arno Becker, DLR Rheinpfalz, berichtet über Bedenken bei der „Grünlese“.
Das Ziel einer Ertragsreduktion ist in vielen landwirtschaftlichen Kulturen ähnlich. Die Ertragsmenge wird während der Vegetation reduziert, um die Kraft der Pflanze gebündelt in die verbleibenden Früchte zu lenken. Dadurch, so der Plan, soll ein höheres Maß an wertgebenden Inhaltsstoffen entstehen, was der Qualität über Aromaintensität spürbar dienen soll. Solange sich keine weiteren Parameter zu Ungunsten der Qualität verschieben geht dieser Plan auch auf. Speziell die Handausdünnung jedoch zeigte dabei in den letzten Jahren Schwächen.
Definition Handausdünnung
Es handelt sich um das Abschneiden ganzer Trauben zum Zeitpunkt Weichwerden (Véraison) bzw. bei Rotweinsorten dem Färben der Beeren. Bisweilen werden hierbei alle Früchte bis auf eine Traube pro Trieb abgeschnitten. Manchmal wird so die unterste, manchmal auch die mittlere bzw. oberste Traube belassen. Eine andere mögliche Vorgehensweise zielt darauf ab speziell schlecht verfärbte, mechanisch beschädigte etc. Exemplare herauszuschneiden und hierbei möglichst eine definierte Zahl an Trauben pro Stock zu belassen.
Die Ertragsreduktion hierbei kann verhältnismäßig stark ausfallen. Prior (2005) stellte bei Ausdünnung auf eine Traube pro Trieb im Durchschnitt von drei Versuchsjahren eine Ertragsreduzierung von mehr als 50% fest – in diesem Fall die größte Ertragsminderung aller getesteten qualitätssteigernden Maßnahmen.
Der Kompensationseffekt
Einhergehend wirken in aller Regel so genannte Kompensationseffekte. Das bedeutet, dass nach dem Entfernen von potentiellem Ertrag (Grünlese) die verbleibenden Trauben oftmals gar zum Dickenwachstum angeregt werden, quasi als Versuch der Pflanze, den Verlust wieder auszugleichen. Vielerlei Messungen machen das deutlich (z.B. Götz und Becker 2010).
Besonders spürbar wird dieser Effekt, wenn man entgegen guter fachlicher Praxis bei normal entwickelten Anlagen zu früh ausgedünnt, beispielsweise zum Entwicklungsstadium Traubenschluss. Zu diesem Zeitpunkt, der zwischen Blüte und Véraison liegt, findet ein markantes Dickenwachstum der Beeren statt, das durch Ertrags- Wegnahme umso mehr angeregt wird. Mehrjährige Untersuchungen des DLR Rheinpfalz zeigen dies (Götz und Becker 2010).
Aber auch bei der zeitlich korrekten Platzierung der Ausdünnungsmethode sind derlei Effekte im Spiel die sich im Jahr der Ernte, vielleicht sogar im folgenden Jahr zeigen. Je mehr entfernt wird, umso größer ihr Ausmaß.
Botrytisbefall nach Entfernen ganzer Trauben
![]() Botrytis durch Abquetschungen. Die Ausdünnung ganzer Trauben kann diesen unerwünschten Effekt noch verstärken
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Werden die Trauben durch die beschriebenen Kompensationseffekte in der Endreifephase schließlich immer kompakter, ist Fäulnis durch Abquetschen in einer Vielzahl der Fälle vorprogrammiert.
In den Versuchen von Prior (2005) zum Beispiel wird der stark erhöhte Botrytisbefall nach Handausdünnung auf eine Traube pro Trieb (um 26%) im Vergleich zu allen anderen qualitätssteigernden Maßnahmen hervorgehoben.
Auch Fader, Hill und Spies (2003) sowie Petgen und Götz (2005) beschreiben ähnliches.
Einfluss des Klimawandels
Trotz alledem war besonders in den 1990er Jahren die Handausdünnung auf der Basis des Qualitätsgedanken und dem Bestand an reich tragenden Klonen eine angesagte Maßnahme in einigen Betrieben. Doch eine wichtige Einflussgröße hat sich in vielen Jahren danach spürbar verändert: das Wetter. Es wurde immer „besser“. Der Reifegrad der Trauben profitierte, was von vielen Seiten immer wieder zum Ausdruck gebracht wird. Verbunden mit sicherlich vielen positiven Aspekten dieser Situation vermag diese jedoch auch eingreifende Veränderungen mit sich zu bringen:
- Durch besseres Blütewetter kann über weniger Verrieselung der Packungsgrad der Trauben zunehmen
- Eine wärmer als übliche Vegetationsperiode lässt die Reife der in Österreich angestammten Sorten früher beginnen
- Beginnt die Reife früh wird bereits Zucker in nennenswertem Maß in der Traube eingelagert, und das bei verhältnismäßig warmen Temperaturen
Verursacht eine Grüne Lese nun zusätzlich noch kompaktere Trauben und noch höhere Mostgewichte, kann das Botrytisrisiko stark ansteigen (siehe auch Abbildungen 1 und 2). Äußerungen in einer Winzerhomepage wie „Bei der Grünlese wird der natürliche Ertrag unserer Rebstöcke um bis zu 70% reduziert“ (Internet 2010) erscheinen in diesem Zusammenhang fragwürdig.
![]() Lockerbeerigkeit durch Handabstreifung beim Gewürztraminer |
![]() Lockerbeerigkeit durch Traubenhalbierung beim Chardonnay |
Effekte des Klimawandels fordern ein Umdenken bei der Ertragsreduzierung
Empfindliche Sorten
Die getroffenen Aussagen gelten dabei vorrangig für engbeerige Sorten, da hier die Gefahr des Abquetschens naturgemäß am größten ist. Großtraubige, lockerbeerige Exemplare, im Idealfall mit robuster Beerenschale, sind indes weniger gefährdet. Zur ersten Gruppe gehören allerdings vorrangig die in unseren Breiten heimischen Typen wie Grüner Veltliner, Riesling, weiße Burgundersorten, … . Zur anderen Gruppe die oft als „internationale Sorten“ bezeichneten (Cabernet Sauvignon, Chenin Blanc, Merlot …).
Gegenmaßnahmen: Alternativen zur Ausdünnung
Was nun tun? Um die Trauben möglichst lange gesund zu erhalten und dennoch die Aromaintensität zu steigern, schwenken Betriebsleiter auf Alternativen um. Eine davon ist, die Ausdünnung zeitlich näher an die Lese zu bringen.
Anstatt oder in Ergänzung hierzu gehen andere zu einer negativen Vorlese oder selektiven / mehrstufigen Ernte über. So gewonnene Trauben werden bei entsprechendem Reifegrad und eingehaltener Wartezeiten im Pflanzenschutz eventuell verarbeitet zu Federweisser, Literware, Verjus, Traubensaft, Verschnittwein etc.. Ebenso können (stärker) angefaulte Trauben kurz vor der Maschinenlese auf den Boden geschnitten werden.
Viele Versuche zielen überdies auf eine Reifeverzögerung ab, in dem z.B. vorläufig gar mehr Ertrag belassen wird bzw. Herlinge/Geiztrauben erst spät entfernet werden. Oft schon hat sich schließlich in der Praxis gezeigt, dass aus qualitativer Sicht eine lange Hängzeit am noch belaubten Stock Vorrang vor hohen Mostgewichten hat. Das scheint in besonderem Maße für den Riesling zu gelten.

Negative Vorlese - mehrstufige Ernte: eine gute Alternative zur Ausdünnung. Eine lange Hängzeit am noch belaubten Stock sollte dabei Vorrang vor hohen Mostgewichten haben.
Darüber hinaus steht mittlerweile eine Vielzahl weiterer ertragssenkender und zugleich botrytismindernder Maßnahmen zur Verfügung wie z.B.
Bioregulatoren, Entblätterung, Handabstreifung, Traubenhalbierung und Vollernterausdünnung.
Der Trend sollte demnach eher weg von rein ertragssenkenden Maßnahmen hin zu solchen gehen, die auch von botrytismindernden oder reifeverzögernden Effekten begleitet werden.
Für Betriebe, die Handausdünnung dennoch einsetzen wollen, empfiehlt es sich, eine frühe Teilentblätterung vorzuschalten, um dem Fäulnisdruck entgegenzuwirken.
Zusammenfassung
Eine Qualitätssteigerung durch die Grünlese ist mittlerweile mit Bedenken behaftet. Das gilt besonders vor dem Hintergrund einer frühen Traubenreife, wie sie sich besonders 2011 wieder andeutet. Das hierdurch beschleunigte Sich- Abquetschen der Trauben kann rasch zu erhöhter Fäulnis führen. Wenn überhaupt sollte daher das Abschneiden ganzer Früchte nur noch unter wettermäßig kühleren Bedingungen, bei geeigneten (lockerbeerigen) Sorten sowie in geringem Umfang erfolgen. Als Alternativen stehen den Betriebsleitern inzwischen viele ertragssenkende und zugleich botrytismindernde Maßnahmen zur Verfügung. Ihnen sollte im Qualitätsweinbau der Vorzug gegeben werden.
Gastautor
Dr. Ferdinand REGNER
Lehrer für Weinbau und Leiter der Abteilung Rebenzüchtung an der HBLAuBA in Klosterneuburg
Kreuzungszüchtung
Große Schritte in der Entwicklung von „widerstandsfähigen“ Rebsorten wurden immer dann erreicht, wenn man über die generative Vermehrung der Samen vorgegangen ist. Systematische Kreuzungen mit definierten Bestäubungen gibt es seit dem späten 19. Jahrhundert. Auslöser der intensiven Kreuzungszüchtung war sicherlich die Herausforderung durch das Einschleppen der Mehltaukrankheiten und der Reblaus nach Europa. Damit wurde der Weinbau nachhaltig in Bedrängnis gebracht und nur durch die Einführung von Pfropfreben und gezieltem Pflanzenschutz konnte seine Existenz gesichert werden. Die Suche nach geeigneten Resistenzquellen führte in die USA, wo zahlreiche Vitis Arten jahrtausende mit den Mehltaupilzen gekämpft hatten und nur jene übrig blieben, die eine ausreichende Widerstandskraft mitbrachten. Vitis labrusca, riparia, lincecumi, aestivalis und viele andere dienten als Kreuzungspartner mit den Europäerreben für die Herstellung der ersten Hybridengeneration. Seitdem sind schon unzählige Kreuzungen mit den daraus gewonnen Direkträgern gemacht worden, sodass man sich heute eigentlich schon in der 4. Generation der Rückkreuzungen befindet und theoretisch die PiWis ungefähr 93% Europäergenetik aufweisen..
Insgesamt wenig Akzeptanz wurde neuen Sorten vor allem den alten französischen Hybriden (Direktträger) entgegengebracht. Diese Sorten konnten wurzelecht ohne Veredlung gepflanzt werden und benötigten keinen oder nur geringen Pflanzenschutz gegen die Mehltaupilze. Der Nachteil war allerdings, dass die Weine geschmacklich weit weg von jenen Qualitäten lagen, die schon immer Vitis vinifera von anderen Arten unterschied. Es wurden hunderte dieser Neuzüchtungen von Seibl, Couderc, Seyve Villard und Oberlin in Rebsammlungen aufbewahrt. Davon ist Seyval blanc in Kärnten zum Anbau zugelassen. Allerdings für die weinbauliche Produktion haben sie heute nur wenig Bedeutung. In Frankreich werden sie zur Destillation für Weinbrände und in den Oststaaten der USA auch noch für Billigwein großflächig angebaut. Also an pilzwiderstandsfähigen Sorten mangelt es ganz sicher nicht. Sie werden an vielen Instituten heute meist zur weiteren Einkreuzung von Europäerreben eingesetzt. In ganz Europa wurden in den 30iger Jahren des vorigen Jahrhunderts Verbotsgesetze erlassen, um die traditionelle Qualität des Weines zu erhalten. Dadurch führen diese alte PiWis (Direktträger) auch rechtlich ein Schattendasein.
![]() Pölöskei Muskataly, ungarische Züchtung, reift mittelfrüh, mit sehr großen Beeren und mittleren Ansprüchen, mit feinem Muskataroma |
![]() Galanth, pilzfeste Neuzüchtung, des Weinbauinstitutes Freiburg, Kreuzung: Solaris X Muscat bleu, frühreife Sorte ca. Mitte September, als Tafeltraube verwendet |
Die Qual der Wahl
Von der Idee eines Weinbaues ohne Pflanzenschutz inspiriert, wurde besonders seit den Nachkriegstagen wieder intensiver gezüchtet. Vor allem in Mitteleuropa wurde ein sehr großer Aufwand betrieben, um eines Tages den Traum vom Weinbau ohne Pflanzenschutz realisieren zu können. Die Euphorie ist der Ernüchterung gewichen und hat uns erkennen lassen, dass eine pilzwiderstandsfähige (PiWi) Rebsorte, auch wenn sie sich noch so gut für die Produktion, zum Beispiel für den Biologischen Weinbau eignet, keine Garantie der Konsumentenakzeptanz mitbringt. Daher steht zwar mittlerweile eine riesengroße Schar an möglichen PiWi Sorten zur Verfügung, aber nur wenige schaffen den dauerhaften Sprung in die Praxis. Andererseits gibt es für eine einzige Kreuzung – ohne Mutationen zu berücksichtigen – 274 Milliarden Möglichkeiten an Neukombinationen der Chromosomen der Kreuzungspartner. Folglich kann die Züchtung das vorhandene Potential nie wirklich ausschöpfen! Der zeitliche Aufwand von der Kreuzung bis zur Freigabe einer Sorte sollte zumindest 25, besser 30 Jahre betragen. Bei zu kurzen Selektions- und Prüfungszeiten könnte es leicht passieren, dass deutliche Schwächen einer Sorte erst später zu Tage treten. Das würde bedeuten, dass eine zu schnelle Freigabe von Neuzüchtungen auch immer den Versuchsbetrieb mit einem sehr hohen Risiko belastet. Die Umstellung auf Sorten mit PiWi Charakter ist ein Langzeitprojekt, das nicht risikolos beschleunigbar ist.
Perfektion mit PiWi Sorten
Um Qualitätswein aus PiWis keltern zu können, muss die Sorte nach ihren botanischen Kriterien Vitis vinifera entsprechen, in der Sortenliste für QW aufgenommen sein und der Wein frei sein von Hybridenindikatoren (Foxnote oder Malvinfarbstoff). Die heutigen PiWi Sorten leiten sich in den meisten Fällen von frz. Hybridsorten ab, haben aber nach mehrfacher Rückkreuzung mit V. vinifera nur mehr einen verschwindend kleinen Anteil an amerikanischem Erbgut. Diese Ausdünnung an nicht V. vinifera Erbgut bewirkt eine Verbesserung der Weinqualität aber eine Verschlechterung der Mehltautoleranz. Folglich können die neuen PiWi Sorten nicht ohne Pflanzenschutz auskommen, allerdings kann die Anzahl an Applikationen mehr oder minder stark eingeschränkt werden. Völlig ohne Pflanzenschutz verlieren auch die widerstandskräftigsten PiWi Rebsorten ihre Toleranz gegen die, dann zunehmend aggressiver werdenden, Pilzkrankheiten. Der Kupfereinsatz könnte mit PiWi Sorten überflüssig werden.
Grenzen der Widerstandskraft
Allerdings eine totale Resistenz gibt es nicht, sobald der Druck zu groß wird, zeigen auch sehr widerstandsfähige Sorten ihre Grenzen. Moderne PiWis haben z.B geringere Widerstandskraft bei Peronospora als z.B. die robuste Isabella. Außerdem konnte man beobachten, dass bei fehlendem Mehltauschutz plötzlich auch andere Pilzkrankheiten wie z.B. die Schwarzfäule bei der Sorte Regent in Erscheinung treten. Sicherlich ist die „gute alte Zeit“ des Weinbaus ohne Pflanzenschutz durch die Einschleppung markanter Schaderreger für immer verloren gegangen. Außerdem darf nicht vergessen werden, dass heutige Anforderungen an die Produktqualität enorm sind und manchmal mit biologischer Produktionsweise schwer zu erreichen sind. Die wirkliche Herausforderung der Bioproduktion besteht darin, dass sie mit umweltfreundlicher Technologie Standards erreichen soll, die nur durch Einsatz aller Möglichkeiten geschaffen wurden. Mit PiWi Sorten rückt dieses Ziel aber bedeutend näher. Alleine der Konsument bleibt eine der größten Hürden und ist heute heterogener und unberechenbarer als je zuvor.
![]() Regent, frühreife Sorte, tiefrot; fruchtig, samtig, kräftig; z.T. gerbstoffbetont, je nach Kelterungsart. Geilweilerhof: Diana x Chambourcin; Teilresistenz; als junge Reben oft Mg-Mangel. Bild: © Rebschulen Auer/Hallau
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![]() Ferdinand de Lesseps, mittelreife Sorte, Kreuzung: Chasselas x Labrusca; mittel bis grosse Trauben; grosse, gelbbetaute Beeren; bei Vollreife aromatisch (wenig Foxgeschmack); ertragsicher; sattgrünes Laub. Bild: © Rebschulen Auer/Hallau |
Pflanzenschutz bei PiWis
Die Auswahl an Mitteln erlaubt dabei für PiWi Sorten eine Rückbesinnung auf einfache Pflanzenschutz- strategien, die auch mit den Grundsätzen der Bioproduktion vereinbar sind. Es lässt sich mit solchen Sorten die kupferfreie Produktion erfolgreich betreiben. Der verstärkte Kupfereinsatz scheint im Moment einer der Schwachpunkte der Bioproduktion zu sein. Wirklich bewältigen lässt sich dieses Problem nur mit der Umstellung auf Neuzüchtungen mit PiWi Hintergrund. Dann nämlich kann nicht nur der Kreis an eingesetzten Pflanzenschutzmitteln eingeschränkt, sondern auch die Anzahl an Applikationen drastisch verringert werden. Damit steigt die Effizienz im Betrieb und die CO2 Bilanz kann verbessert werden. Letztlich dient diese Entwicklung auch dazu, die Glaubwürdigkeit der biologischen Produktion untermauern zu können. Mittelfristig werden sich die PiWi Sorten mit gleichem Qualitätspotential gegenüber den traditionellen Rebsorten durchsetzen. Langfristig können vor allem jene Sorten sich ausbreiten, die bei vergleichbarer Qualität einen geringeren Aufwand benötigen.
Zukunft der PiWis in Österreich
Die PiWi Sorten, die in Österreich für den Weinbau zur Verfügung stehen, sind einerseits die Rebsorten Roesler und Rathay aus denen Qualitätswein hergestellt werden darf. Andererseits eine lange Liste an Sorten, die in den Landesweinbaugesetzen bzw. den dazugehörigen Verordnungen geregelt sind (siehe Tabelle 1 Kärntner Rebsorten Verordnung). Alle diese Sorten ermöglichen nur die Produktion von Wein (früher Tafelwein), der keine geschützte Herkunfts- und Sortennennung ermöglicht. Dies ist ein besonderer Nachteil für die PiWi Sorten. Andererseits gibt es seit 2010 für einige der PiWi Sorten (Bronner, Muscaris, Cabernet blanc, Souvignier gris, Regent und Cabernet Jura) eine Kategorie von Wein ohne Herkunft, bei denen auch beim einfachen Wein die Sorte und der Jahrgang am Etikett genannt werden darf. Dies sind auch Sorten, denen im Moment eine gewisse Bedeutung zukommt.
Ob eine Neuzüchtung mit PiWi Charakter Erfolg hat oder nicht entscheidet sich an Hand mehrerer Anforderungsprofile. Das erste und wichtigste ist dabei, dass die Sorte keine weinbauliche Schwäche haben darf. Das klingt im ersten Moment leichter als es im weinbaulichen Alltag in unseren Breiten auch wirklich umsetzbar ist. Die meisten der potentiellen Neuzüchtungen scheitern an dieser Hürde (Blütestabilität, ausreichender Ertrag, rechtzeitige Reife, Frostfestigkeit usw.). Die zweite Anforderung betrifft die Stabilität gegenüber den Mehltaukrankheiten und hier ist klar, dass PiWi Sorten mehr aushalten müssen, als die traditionellen Sorten.
Schließlich gibt es noch die schwierigste der Hürden zu bewältigen nämlich eine überzeugende Weinqualität zu erbringen. Dies scheint nach wie vor die entscheidende Frage zu sein, ob eine Sorte eine Existenzberechtigung hat oder nicht. Es sollte nicht vergessen werden, dass Wein ein Genussmittel und kein Grundnahrungsmittel ist und folglich der Konsum auch einen dementsprechenden Eindruck hinterlassen muss. Aber auch hier sollte nicht vergessen werden, dass letztlich unter verschiedenen Terroirs ziemlich andere Weine aus derselben Sorte entstehen können. Gerade PiWi Sorten weisen doch in manchen Bereichen eine andere stoffliche Zusammensetzung auf, insbesondere in trockenen heißen Klimaten können diese Substanzen stark in den Vordergrund geraten und so den Wein eine ungewöhnliche, fremdartige Note verleihen. Folglich ist es notwendig Neuzüchtungen umfangreichen Prüfungen auszusetzen und sie unter verschiedenen weinbaulichen Bedingungen zu kultivieren. Erst nach zumindest zwei Jahrzehnten der Beobachtung sollte eine Sorte für die Praxis freigegeben werden. Die schnelle Einführung von Neuzüchtungen bedeutet ein erhöhtes Risiko für den Winzer und meist auch die Überforderung des Konsumenten. Gerade beim Sortenwechsel hin zu den PiWi Sorten sollte man sich die Zeit nehmen langsam einzusteigen, mit der Sorte vertraut werden, die weinbauliche und kellertechnischen Arbeiten anpassen und schließlich erst dann auf größere Dimensionen ausweiten.
Falls jemand mit den zur weinbaulichen Nutzung zugelassenen Rebsorten nicht das Auslangen findet, so gibt es die Möglichkeit neueste Sorten (meist noch ohne Namen) in Versuchspflanzungen mit dem Züchter durchzuführen. Die Höhere Bundeslehranstalt Klosterneuburg züchtet neue PiWi Rebsorten für den österreichischen Weinbau und freut sich auf eine intensive Kooperation.
Anhang Tabelle 1 PiWis der Kärntner Rebsortenverordnung

























